11.+12. JUNI: Deutsch-Griechische Expertengespräche der DHW in Berlin
Berlin, 12. Juni 2026 – Die Deutsch-Hellenische Wirtschaftsvereinigung (DHW) veranstaltete am 11. und 12. Juni 2026 in Berlin die Deutsch-Griechischen Expertengespräche 2026. Im Mittelpunkt der zweitägigen Fachveranstaltung standen aktuelle Herausforderungen und Zukunftsthemen der deutsch-griechischen Zusammenarbeit in den Bereichen Kreislaufwirtschaft, Landwirtschaft, Exportförderung sowie Künstliche Intelligenz in der Justiz.
Die Veranstaltung wurde durch den Präsidenten der DHW, Phedon Codjambopoulo, eröffnet. Ein Grußwort sprach zudem Frau Gesandtin Y. Boyatzopoulou, Gesandte für Wirtschaft und Handel der Botschaft der Hellenischen Republik in Berlin, als Vertreterin des Botschafters der Hellenischen Republik. Beide betonten die Bedeutung des bilateralen Wissenstransfers und der engen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Griechenland bei Zukunfts- und Innovationsthemen.
Unter der Moderation von DHW-Vizepräsident Dipl.-Volkswirt Tryfon Kolitsopoulos erläuterte Susanne Kürschner, Geschäftsführerin der DPG Deutsche Pfandsystem GmbH, die Entwicklung des deutschen Pfandsystems seit seiner Einführung sowie die Erfahrungen, die in mehr als zwei Jahrzehnten beim Aufbau eines der erfolgreichsten Rücknahmesysteme Europas gesammelt wurden. Dabei wurde aufgezeigt, welche wirtschaftlichen und organisatorischen Voraussetzungen geschaffen werden mussten, um die heute erreichten Rücklauf- und Sammelquoten von rund 96 % zu ermöglichen.
Im Mittelpunkt der Diskussion stand auch die aktuelle Situation in Griechenland. Trotz entsprechender europäischer Vorgaben und Zielsetzungen seit dem Jahr 2020 befindet sich das Land weiterhin in der Vorbereitungsphase für die Einführung eines flächendeckenden Pfandsystems. Gleichzeitig wächst der Druck durch die europäischen Umwelt- und Kreislaufwirtschaftsrichtlinien, die ambitionierte Sammel- und Recyclingquoten vorgeben. Vor diesem Hintergrund wurde deutlich, dass Griechenland verlorene Zeit aufholen und die Einführung eines funktionierenden Systems zügig vorantreiben muss.
Das Fazit der Expertenrunde war eindeutig: Griechenland kann erheblich von den Erfahrungen Deutschlands profitieren. Das deutsche Pfandsystem gilt europaweit als Best-Practice-Modell und bietet wertvolle Erkenntnisse für die geplante Einführung eines nationalen Pfandsystems in Griechenland. Besondere Aufmerksamkeit fand dabei die Erkenntnis, dass die erfolgreiche Implementierung eines Pfandsystems nicht allein eine technische oder gesetzgeberische Herausforderung darstellt. Entscheidend sind vielmehr die breite Akzeptanz in Wirtschaft und Gesellschaft, ein vertrauensvoller Dialog mit allen Beteiligten sowie eine umfassende Informations- und Aufklärungskampagne, die die Vorteile des Systems für Umwelt, Verbraucher und Wirtschaft transparent vermittelt.
Im zweiten Themenblock präsentierte die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) Ansätze zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit griechischer Lebensmittelhersteller auf dem deutschen Markt. Prof. Dr. med. vet. Diana Graubaum und Stefan Zwoll erläuterten die Rolle der DLG als unabhängige Prüfinstitution und zeigten auf, wie Qualitätsprüfungen, Zertifizierungen und objektive Qualitätsnachweise als strategische Instrumente zur Exportförderung und erfolgreichen Markterschließung eingesetzt werden können. Darüber hinaus wurde verdeutlicht, dass selbst hervorragende Produktqualität allein nicht ausreicht, um auf dem deutschen Markt erfolgreich zu sein. Ebenso entscheidend sind die vollständige Einhaltung regulatorischer Anforderungen, die korrekte Verpackungslizenzierung, Registrierungs- und Kennzeichnungspflichten. Nur die Kombination aus exzellenter Produktqualität und vollständiger regulatorischer Konformität ermöglicht einen nachhaltigen und erfolgreichen Marktzugang. Die DLG bietet Unternehmen hierbei ein breites Leistungsspektrum – von unabhängigen Produktprüfungen und Qualitätsanalysen über Markt- und Trendinformationen bis hin zur Unterstützung entlang der gesamten Wertschöpfungs- und Lieferkette. Die Diskussion zeigte eindrucksvoll, dass die DLG für viele griechische Lebensmittelhersteller eine wichtige Brücke zum deutschen Markt darstellen kann und damit einen wertvollen Beitrag zur Stärkung der deutsch-griechischen Wirtschaftsbeziehungen leistet.
Der zweite Veranstaltungstag stand ganz im Zeichen der Digitalisierung und des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz in der Justiz. Deutsche und griechische Experten aus Ministerien, Justiz und Wirtschaft diskutierten die Chancen, Grenzen und rechtlichen Rahmenbedingungen moderner KI-Anwendungen im Rechtswesen. Zu den Referenten gehörten Dr. Philip Scholz vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, Timon Schmotz von der Materna-Gruppe sowie die Richterinnen Konstantina Polyzogopoulou und Marina Skandali, die derzeit im griechischen Justizministerium tätig sind.
Im Mittelpunkt der Diskussion stand die Frage, wie die Erfahrungen beider Länder sinnvoll miteinander verknüpft werden können. Deutschland verfügt bereits über umfangreiche Erfahrungen bei der Entwicklung, Erprobung und Bewertung von Anwendungen der Künstlichen Intelligenz in der Justiz. Diese Technologien können dazu beitragen, Arbeitsabläufe effizienter zu gestalten, Verfahren zu beschleunigen und die Qualität der Rechtsanwendung zu unterstützen.
Gleichzeitig wurde hervorgehoben, dass Griechenland in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte bei der Digitalisierung seiner Justiz erzielt hat. Die Einführung digitaler Verfahren und die Modernisierung gerichtlicher Prozesse haben bereits zu messbaren Verbesserungen bei der Effizienz der Justizverwaltung und der Bürgerbetreuung geführt.
Vor diesem Hintergrund bestand Einigkeit darüber, dass ein strukturierter deutsch-griechischer Erfahrungsaustausch einen erheblichen Mehrwert schaffen kann. Besonderes Interesse galt der Frage, inwieweit bestehende deutsche KI-Anwendungen und Best-Practice-Modelle an die Anforderungen des griechischen Justizsystems angepasst und dort erfolgreich eingesetzt werden können. Ziel einer solchen Zusammenarbeit ist es, die Transparenz, Effizienz und Geschwindigkeit gerichtlicher Verfahren weiter zu verbessern und gleichzeitig die rechtsstaatlichen Anforderungen an Datenschutz, Nachvollziehbarkeit und richterliche Unabhängigkeit zu gewährleisten.
Die Teilnehmer waren sich einig, dass die Kombination aus deutscher KI-Expertise und den bereits erzielten Digitalisierungserfolgen Griechenlands eine hervorragende Grundlage für eine vertiefte bilaterale Zusammenarbeit bildet. Langfristiges Ziel ist die Weiterentwicklung eines modernen, leistungsfähigen und digital unterstützten Justizsystems zum Nutzen von Bürgern, Unternehmen und staatlichen Institutionen beider Länder.
In seinem Schlusswort hob DHW-Präsident Phedon Codjambopoulo hervor, dass die Expertengespräche einmal mehr gezeigt hätten, wie wertvoll der offene Austausch von Erfahrungen, Fachwissen und bewährten Verfahren zwischen Deutschland und Griechenland sei. Die Diskussionen hätten konkrete Impulse für die ökologische Transformation, die digitale Modernisierung sowie die weitere Stärkung der wirtschaftlichen und institutionellen Zusammenarbeit beider Länder geliefert.
Die DHW wird die begonnenen Gespräche fortsetzen und lädt bereits heute zur nächsten großen deutsch-griechischen Fachveranstaltung im November 2026 im Goethe-Institut Athen ein. Dort sollen die in Berlin begonnenen Diskussionen vertieft und weitere Zukunftsthemen wie Logistik, Energie, Solarthermie, Photovoltaik, Wasserstofftechnologien sowie Künstliche Intelligenz behandelt werden.
Gespräch mit der Deutschen Welle im Rahmen einer Abendveranstaltung
Während eines Abendessens fand ein Treffen und ein Meinungsaustausch mit Dimitra Kyranoudi, der Leiterin des griechischen Programms der Deutschen Welle, statt. Im Mittelpunkt der Diskussion standen die aktuelle Lage sowie die Bedeutung und der Beitrag des griechischsprachigen Programms zu den griechisch-deutschen Beziehungen. Der Bundesvorstand der DHW bekundete seine uneingeschränkte Unterstützung für das Team des griechischen Programms und sprach sich für dessen Fortführung aus. Nach Ansicht der DHW ist das Programm seit Jahrzehnten eine wichtige Säule der Information, des kulturellen Austauschs und des gegenseitigen Verständnisses zwischen Deutschland, Griechenland und Zypern.
Die öffentliche Debatte um die Zukunft des griechischen Programms hat in den letzten Monaten sowohl in der Politik in Griechenland, Deutschland, Zypern und Europa als auch in den Medien erhebliche Ausmaße angenommen.Besuch im Deutschen Bundestag
Die Veranstaltung wurde mit einem Besuch der Teilnehmenden im Deutschen Bundestag abgeschlossen. Der Besuch bot die Gelegenheit, Einblicke in die Arbeitsweise des deutschen Parlaments und die Geschichte des Gebäudes zu gewinnen, und ergänzte die Diskussionen der beiden Tage um eine wichtige politische Dimension. Besonderer Dank gilt den Abgeordneten Klaus-Peter Willsch und Catarina dos Santos-Wintz von der CDU für ihre Gastfreundschaft sowie Dimitris Papoulias und Matheos Tziortzis vom Verein «Philhellenen im Bundestag» für die tadellose Organisation des Besuchs.
Ausblick auf das DHW-Treffen in Athen im kommenden November
Die Gespräche in Berlin haben einmal mehr gezeigt, wie vielfältig die Themen sind, die Deutschland und Griechenland verbinden. Von Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft bis hin zu Digitalisierung, künstlicher Intelligenz und Medienpolitik verfügen die beiden Länder über bedeutende Möglichkeiten der Zusammenarbeit und des Austauschs von Fachwissen.
Die aus den Treffen gewonnenen Erkenntnisse und Ideen werden in die Vorbereitung der «Deutsch-Griechischen Wirtschaftsgesprächen 2026» der DHW im November 2026 in Athen genutzt, wo die entsprechenden Diskussionen fortgesetzt und weiter vertieft werden.
Besonderer Dank gilt auch Pavlos Telidis, dem DHW-Regionalpräsidenten für Griechenland, für seine kontinuierliche Unterstützung bei Fragen der wirtschaftlichen Entwicklung auf dem griechischen Markt. Seine Erfahrung, seine Kenntnisse der griechischen Wirtschaft und sein breites Netzwerk an Kontakten in Wirtschaft und Politik tragen wesentlich zur Stärkung der griechisch-deutschen Geschäftsbeziehungen bei.



























