Delegationsbesuch OECD in Köln

Am 29.11.2017 besuchte eine vierköpfige Delegation der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) Köln, um sich über die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt zu informieren. Die Projektleiterin der KAUSA Servicestelle, Christina Alexoglou-Patelkos, und die wissenschaftliche Mitarbeiterin Marion Haas, die für die berufliche Integration von Flüchtlingen zuständig ist, berichteten der Delegation über die Arbeit  der KAUSA Servicestelle Köln.

Der Besuch begann mit einer Führung durch die Werkstätten des Berufsbildungswerks (BBZ) der Handwerkskammer zu Köln (HWK) am Butzweiler Hof. Herr Elbert und Herr Draga vom BBZ der HWK zu Köln haben die Delegation durch das BBZ geführt. Dort wurden u.a. die Werkstätten der KFZ-Mechatroniker besichtigt. Nach dieser Führung hatten die Delegationsbesucherinnen und -besucher viele Fragen an die teilnehmenden Fachleute der KAUSA Servicestelle, Dr. Oliver Diehl, Oberregierungsrat in Grundsatzfragen der beruflichen Aus- und Weiterbildung im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Roberto Lepore, Abteilungsleiter für Nachwuchssicherung, Michelle Pützkuhl, Starterhelferin und Tobias Wenzlawski bei der HWK. Die OECD-Delegation wollte im Detail wissen, wie das deutsche Integrationssystem und die duale Ausbildung in Deutschland funktioniert, wie Flüchtlinge in eine duale Ausbildung vermittelt werden können, wer die Kosten für die Berufsschule trägt und was genau in der Berufsschule gemacht wird. Die anwesenden Fachleute erklärten die Feinheiten des dualen Systems in Deutschland und gingen auf spezifische Integrationsmaßnahmen für Flüchtlinge ein. In diesem Kontext wurden die Möglichkeiten zum Beispiel einer Einstiegsqualifizierung vor Beginn einer Ausbildung erläutert und die Maßnahme der HWK für Geflüchtete, „Perspektive für junge Flüchtlinge im Handwerk (PerjuF-H)“, genau beschrieben.

Die Delegationsbesucherinnen und -besucher wollten informiert werden, welche Voraussetzungen Flüchtlinge erfüllen müssen, um an der Maßnahme „PerjuF-H“ teilnehmen zu dürfen und welche Perspektiven danach bestehen. Die Voraussetzung der Teilnahme ist ein erfolgreich absolvierter Integrationskurs und eine Meldung beim Jobcenter. Nach der 6-monatigen Maßnahme am Butzweiler Hof haben fast 100% der teilnehmenden Flüchtlinge eine Ausbildungsstelle im Handwerk gefunden, berichtete die Mitarbeiterin der HWK, die in die Betriebe der Region vermittelt.

Danach wurde über Probleme und Herausforderungen bei der beruflichen Integration von Flüchtlingen diskutiert. Wichtige Faktoren für eine gelungene berufliche Integration von Flüchtlingen wurden hervorgehoben:

  • An allererster Stelle steht das Erlernen der deutschen Sprache. Für eine erfolgreiche Ausbildung sollten Flüchtlinge mindestens Sprachkenntnisse auf B2-Niveau haben.
  • Auch Kompetenzen und Ressourcen aus dem Heimatland spielen eine wichtige Rolle. Wenn Flüchtlinge eine gewisse Schulbildung mitbringen, ist dies ein großer Vorteil. In diesem Feld gibt es jedoch häufig Lücken. Gerade bei den Flüchtlingen aus Kriegsgebieten, wie beispielsweise Syrien, konnten junge Menschen aufgrund des Krieges jahrelang keine Schule mehr besuchen. Neben dem Bildungshintergrund aus den Heimatländern sind berufliche Vorkenntnisse ebenfalls ein großer Pluspunkt. Flüchtlinge, die in ihrem Heimatland bereits in einer bestimmten Branche tätig waren und in dieser in Deutschland eine Ausbildung beginnen wollen, bringen wertvolle Erfahrung mit.
  • Unterstützungsnetzwerke von ehrenamtlichen oder hauptamtlichen Helferinnen und Helfern für die Erstellung der Bewerbungsunterlagen, aber auch als Unterstützung bei Behördengängen oder für die Wohnungssuche sind ebenfalls wertvoll.
  • Sehr wichtig sind auch eine geregelte Wohn- sowie finanzielle Situation, eine insgesamt geordnete Lebenssituation und keine Angst vor einer potentiellen Abschiebung. Dies alles gibt Stabilität und ermöglicht, eine Ausbildung erfolgreich zu absolvieren.
  • Die bisherigen Erfahrungen bei Flüchtlingen, die eine Ausbildung beginnen, zeigen, dass die Arbeit im Betrieb häufig sehr gut läuft. Die jungen Menschen sind sehr engagiert und integrieren sich in die Unternehmen, scheitern jedoch teilweise in der Berufsschule. Dies basiert vor allem auf sprachlichen Schwierigkeiten. Die Schulbücher und Klausuraufgaben sind in der Regel nicht in der Alltagssprache geschrieben, sondern in einem sehr formalen Deutsch mit vielen Fachtermini.

Um Ausbildungsabbrüche durch die besprochenen Schwierigkeiten zu vermeiden, gibt es Unterstützungsmaßnahmen während der Berufsausbildung wie die „Ausbildungsbegleitende Hilfe (abH) oder die „Assistierte Ausbildung“ (AsA). Über diese wurden die Besucherinnen und Besucher der OECD am Ende der Veranstaltung informiert. Die Delegationsbesucherinnen und Delegationsbesucher waren begeistert von den vielseitigen Möglichkeiten des deutschen Integrationssystems und möchten diese Informationen auf der internationalen Ebene bekannter machen.